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Georg Heinrich Carl Koës Tagebuch 1806

Georg Heinrich Carl Koës Tagebuch 1806

Dette er en OCR-scannet version af nogle sider af filologen Georg Hinrich Koës dagbog, fra oktober-dagene 1806 i Weimar. Uddraget blev trykt 1906 i Goethejahrbuch. Original-dagbogen befinder sig nu på Kgl. Bibliotek.


Goethejahrbuch 27, 1906, S. 118-124

TAGEBUCHAUFZEICHNUNGEN DES DÄNISCHEN
ARCHÄOLOGEN JOHANN HEINRICH CARL KOËS

8.-23. October 1806, Weimar
Mitgeteilt von L Bobé

Georg Heinrich Carl Koës geboren 1782 auf Seeland, studierte Philologie in Halle unter F. A. Wolf, der auf K.s Studiengang einen nachhaltigen Einfluß ausübte, wie dies z. B. seine 1806 in Kopenhagen erschienene Doktordissertation zeigt (Specimen observationum in Odysseam criticarum). Kurz nach erlangter Doktorwürde ging er mit seinem Schwager Peder Oluf Bröndsted auf Reisen, und starb 6. Sept. 1811 auf der Insel Zante. Viele reiche Hoffnungen gingen mit ihm ins Grab. - Sein Tagebuch mit dem Titel: Tage-Buch vom 1. Aug. 1806-26. April 1807 Copenhagen-Paris, im Besitz des Herrn Carl Hall, eines Enkels des Archäologen P. O. Bröndsted.



Georg H. Koës' grav
Tegning af Georg H. Koës' grav på Zante (Zakyntos)
af Sir W. Gell, sendt hjem til familien omkr. 1811-12

[1806] 8. October.
Über Jena nach Weimar, da noch abends in der Comödie: Reue und Ersatz, von Vogel; vortrefflich gespielt, recht eine harmonische, ruhige Darstellung eines Stücks. Mamsell, Silie (eigentlich Petersilie), Hr. Lortzing und besonders Madame Beck. - Der Dom Carlos wurde am 11. bei weitem nicht so gut gegeben, Dom Carlos und Marquis Posa wurden schlecht von Oels und Haide gegeben und besonders der letztere raste wie ein tolles Vieh.

Den 9ten. Sch1oßgarten; sehr schön, dieser Garten hat mir unter allen, die ich bis jetzt gesehen, am besten gefallen. Die herrliche Brücke, der schöne F1uß, der den Garten ganz durchläuft, alles zeigt den edelsten Geschmack.

Den 10ten. Besuch bei Voss. Er wird den Shakespeare nicht fort übersetzen, da er A. W. Schlegel für seinen Meister erkennt, sondern sich ganz mit der Übersetzung des Aeschylos beschäftigen. Die Recension in der Jenaer Literatur Zeitung über Danz's Übersetzung des Aeschylos, Fähse's Sophocles und A. W. Schlegels Rom sind von ihm. - Riemer ist der Verfasser der strengen Beurtheilung von Aukmann in derselben Zeitung und Schiffer soll diese Grammatik in der Leipziger Literaturzeitung recensiert haben. Das Theater ist sehr geschmackvoll und schön. Man sitzt überall. Die Logen sind durch Pfeiler abgetrennt; vorn eine Gallerie, so daß man die ganze Figur des Sitzenden erblickt. Es ist nur eine Hauptreihe von Logen und darüber eine kleine Gallerie, man räucherte im Schauspielhause vor dem Anfang des Stücks.

Den 11ten. Besuch bei der Schillern, eine gutmütige Frau, herrliche Kinder. Kotzebue schrieb einmal an Schiller, er möchte doch Goethen in dem »Freimütigen« angreifen, worauf Schiller nicht antwortete. Goethes Faust ist fertig in 5 Akten. - Heute wurde plötzlich alles sehr kriegerisch. Regimenter auf Regimenter marschierten durch. Der König und die Königin kamen an und das Hauptquartier des Königs hierher verlegt, denn am 10ten griffen die Franzosen an, hieben mehrere Regimenter Sachsen und Preußen bei Saalfeld zusammen und Prinz Louis fiel. Ich habe mehrere Flüchtlinge gesprochen. Das Regiment Clemens verlor beinahe alle seine Offiziere.

Den 12ten. Das kriegerische Getümmel dauert fort; nicht weit von der Stadt ist und wird ein großes Lager geschlagen. Es ist ein höchst interessantes Schauspiel. Die ganze Stadt voll von Militär; unaufhörlich ziehen Truppen, Pulver- Victualienwagen p. p. durch. Verwundete gehen in den Straßen umher. Einer umarmt und herzt den Andern, den er schon tot vermutet. Flüchtlinge von verschiedenen Corps kommen an und formen sich wieder. Ihre Kameraden fragen sie aus, hunzen sie zum Theil auch herunter. Der Ausgang ist uns beinahe versperrt, keine Extrapost ist zu haben. Die fahrende Post nach Leipzig, welche künftigen Dienstag fortgeht, ist noch nicht festgehalten und jetzt unsere einzige Hoffnung.

Den 13ten. Ein Verwundeter, der eine Kugel im rechten Bein hatte, noch von Saalfeld her, erzählte, die Baiern wären immer voran gewesen und hätten gerufen: Ihr dummen Hunde! Kanonen, alles sei verloren gegangen. - Spatziergang mit Goethe und dem Major Hinrich neben dem großem Lager. Der König steht jetzt hier mit 95,000 Mann; die Großfürstin ist fort nach Altstädt, gestern schlugen die Sachsen bei Jena ein Lager auf. So weit wir über die Berge umher sehen konnten, standen Zelte; die Soldaten kochend Kohl und Kartoffeln, andere Holz umhauend aus den Alleen, andere Ochsen oder Kühe schlachtend, die nachher stückweise auf Pfählen ins Lager getragen wurden. Marhketenderinnen mit Branntwein und Kaffee, Feldwachen, Hauptwache, Kavallerieregimenter defilierten vorbei, ringsherum stieg Rauch aus dem Lager herauf. Es war ein schöner Herbsttag. Goethe ist ein ansehnlicher Mann, herrliche Augen; doch schien sein Gemüth niedergedrückt durch die kritischen Umstände. Gestern zerschlugen ihm die Soldaten die Fenster und Meubel in seinem Gartenhause. Heute heißt es, seien bei dem Bäcker die Laden eingeschlagen, weil nicht Brot genug da war. An Butter fehlte es schon gestern, auch heute morgen. Nachmittags brach das ganze Lager auf, man trommelte auf den Straßen, und in einer Viertelstunde waren die Soldaten, die hier in Garnision liegen, auf dem Markt versammelt und nach noch einer Viertelstunde ging's fort. Der König mit der ganzen Suite war eine Stunde vorher abgereist. Abends sah ich schon zwei Pferde, die gestürzt waren, auch rückten wieder Soldaten ein. Großes Getümmel auf dem Markte die Nacht durch. - Fanchon oder das Leiermädchen wurde im Schauspielhause gegeben; Dirzka als Abbé, Wolf als Husaroffizier und Unzelmann als Savoyarde und Genast als Tapezier zeichneten sich durch ihr braves Spiel recht sehr aus. Die Silie war wieder allerliebst. Das Stück scheint mir indessen zu französisch, d. h. zu sehr auf den französischen Charakter gestützt zu sein, als das es in Deutschland befriedigend könnte dargestellt werden.

Den 14ten. Der schrecklichste Tag meines Lebens. Vormittags eine Schlacht einige Stunden von hier. Man hörte die Kanonade sehr deutlich - bum! bum! So ging's unaufhörlich. Im Garten hörte ich auch das Musquettenfeuer, das ich vernahm wie ein starkes Trommeln. Verwundete wurden eingebracht, einzelne kamen geritten. Einzelne Kuirassirs und Soldaten brachten auch französische Pferde und Gefangene mit ein, doch sah ich höchstens 16 von ihnen. Die Gerüchte wechselten beständig. Zuerst hieß es, die Franzosen wären total geschlagen, doch etwa um 1 Uhr änderten sich die Aspecten. Das Gerücht daß 6000 französische Gefangene eingebracht würden, veränderte sich plötzlich in die Nachricht, die Franzosen kommen hierher. Alles retirirte, erst einige Husaren, dann die Bagagewagen, zuletzt noch die übrigen Kavalleristen und einige Infanteristen, Verwundete jagten fort. Gegen 4 Uhr näherte sich der Kanonendonner, zwischen 4 und 5 Uhr war er auf einmal ganz nahe, die Kugeln pfiffen heulend über uns weg. Oehlenschläger und ich retirirten in den Keller, Bröndstedt nur eine kleine Weile - doch war es bald vorbei. Um 6 Uhr rückten französische Husaren in die Stadt. Sie waren sehr artig. Ein junger preußischer Officier lag schwer verwundet in der Gaststube, die linke Hand war ihm gequetscht, er stirbt sicher, nur 20 Jahr alt, von Breslau, von reichen Eltern, namens Hautcharmoix. Kaum waren wir wieder etwas beruhigt, so setzte uns gegen 8 Uhr eine starke Feuersbrunst in der Stadt in einen nicht geringen Schrecken. Bonaparte wird morgen früh erwartet. Der Wirt im Elephanten war beinahe außer sich vor Angst; wenn ich nur Dich behalte, sagte er zu seinem Söhnchen.

Den 15ten. Bonaparte ist hier, Murat soll zuerst in die Stadt gedrungen sein. Seit 9 bis 10 Uhr bis gegen 3 Uhr war ein unaufhörlicher Durchmarsch, besonders von Kavallerie, welche sehr schön oder viel mehr schreckenerregend aussah. Lannes, Augereau sind hier, Berthier's Equipage kam um 4 Uhr an. Das Feuer brannte bis zu diesem Mittage; es soll beinahe eine ganze Straße abgebrannt sein. Ein sächsischer Flüchtling fragte heute nach dem Wege ins Gebirge, man antwortete, man wisse es nicht; nun, fuhr er fort, dann den Weg dahin, wo keine Franzosen sind. Bei der letzten heftigen Kanonade flogen 3 Kugeln in die Esplanade, eine in das Dach des Hauses neben der Schillern, sie kommen von den Preußen, die noch einen Versuch machten sich zu halten. Ihre Armee soll gesprengt sein.

Den 16ten. Hin und her noch Plünderung, Exekution deshalb. Der Schwiegervater des Wirths auf 6000 Rchstlr. Schon den 15ten kamen einige Hundert preußische Gefangene hier an, so in der Kirche einquartiert, heute gewiß an etwa 1500 oder 2000. Die Nacht zwischen dem 14ten und 15ten war das Plündern am schlimmsten. Marodeurs bei Goethe, setzten ihm eine Bajonette vor die Brust. Wieland kriegte gleich eine Sauvegarde. Uns retteten in der ersten Nacht unsere Husaren. Am 2ten Tage logierte hier schon Augereau und in der 2ten Nacht Berthier. Heute wurde die Ruhe endlich völlig wiederhergestellt; es ist ein Major de place ernannt und die Polizei wieder organisiert. Ich habe nun denn auch das Bivouaquiren gesehen; sie zündeten Feuer auf dem Markte, im Park etc. an und lagern da herum. Mit einer solchen Schnelligkeit, Ausdauer in Strapatzen und Glauben an Napoleon sind sie unüberwindlich. Die Armee soll 180-000 Mann stark sein und doch kam ein großer Teil davon hier durch ohne Bagage. Diese war erst beim Generalstabe und ist geradezu nichts gegen die der Preußen und Sachsen. Nach den Berichten der Flüchtlinge und Gefangenen ist die Schlacht am Jenaer Schneckenberge, nicht weit von Iserstedt angegangen und hat sich bis nach den Höhen bei Weimar ausgedehnt. - Hier unten an der Mühle lagen heute noch ein paar erschossene Preußen, und eine von den in die Stadt geschossenen Kugeln hat man hier heute gefunden, etwas größer als eine halbe Hand. - Es ist in diesen Tagen göttliches Wetter, aber sehr kalt.

Den 17. October. Alle Wege sind wieder offen, es fehlt nur an Pferden. Ich machte heute Bekanntschaft mit dem alten Schwabe, dem Herausgeber des Phädros; er ist recht jovialischen Aussehens. Sein Phädros und sein Kohlgarten sind seine Lieblings-Themata. Er gab mir einen Gruß an Haase in Paris mit, seinen ehemaligen Schüler hier aus dem Gymnasium. Schwabe hat in 15 Jahren seine ganze Muse für den Phädros verwandt. - Die Ruhe ist nun ganz und gar wiedergekehrt, alle Franzosen sind weg bis auf ein Regiment, das als Garnison zurückbleibt.

Den 18ten. Die Stadt wird immer ruhiger. Der preußische General Schmettau wurde mit militairischen Honneurs begraben. Ein schöner Trauermarsch, es war als ob Deutschland zu Grabe getragen würde.

Den 19ten. Feldmarschall Möllendorf ist hier, gefangen, 84 Jahr alt. Trauriges Schicksal der preußischen Officiers, nichts als Brod, ohne Geld, dünn gekleidet, müssen sie nach Würzburg marschieren. Heute wurde Goethe mit der Mamsell Vulpius in der Stadtkirche öffentlich getraut. - Proclamation wurde verlesen, daß sich die Bürger wieder ruhig mit ihrem Gewerbe beschäftigen könnten, jeder Franzose müsse bezahlen, was er verlange. Sogleich lebte alles von neuem auf, man fing an die Läden wieder zu öffnen, die Dirnen sammelten sich wieder auf den Straßen p. p.

Den 20sten. Ich sah heute den Satyrikus Falck, ein breiter Schwätzer.

Den 21sten. Abends und die ganze Nacht bis zum 22sten kamen Wagen mit französischen Verwundeten hier an, es waren ihrer so viele, daß die Blessierten nicht alle unterkommen konnten, sondern des morgens am 22stcn lagen noch viele außen vor dem Schauspielhause unter freiem Himmel auf Stroh.

Den 23sten. Wir besuchten heute den alten Wieland, er ist schon einige siebenzig Jahr, indes doch bei guter Gesundheit, nur wünscht er in der Schweiz zu sterben. Er schrieb sehr passend »fuimus Troes« in Ochlenschlägers Stammbuch. Aus »Wilhelm der Eroberer« von Friedrich Kind sah ich heute, daß dieser Wilhelm sm 14. October 1066 eine Schlacht in England gewann, die ihm den Besitz des Reiches verschaffte.

Georg Koës
Georg Koës.
Gravering af A. Flindt